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Als neuer BER-Vorsitzender HoP1 hat Oliver Simon seit März 2016 alle Hände voll zu tun. 
Hier erzählt er, warum er glaubt, dass nur Zusammenhalt die Zukunft von BOSCH im Saarland
sichern kann und Aktionstage ein überzeugendes Instrument dafür sind.
OLI, WIE SCHLÄFTS DU ZURZEIT EIN?

Ging schon mal besser, wenn ich ehrlich bin. Es sind keine schönen Entwicklungen, die da auf uns einprasseln. Zuerst die drohende Standortschließung bei der BESG Neunkirchen und der Arbeitsplatzabbau bei BoRex, jetzt die langsam zu Tage tretenden Pläne der Werkleitung für HoP1. Das schafft lange Tage und kurze Nächte. Aber wir – die IG Metall Ver- trauensleute und Betriebsräte – haben schon vor langer Zeit darauf hingewiesen, dass hier etwas in Schieflage gerät. So gesehen ist das, was uns jetzt jeden Tag auf den Kopf fällt, leider nicht allzu überraschend.

WIE SIEHT DEINE PROGNOSE AUS?

Das lässt sich nicht hundertprozentig sagen. Bei mir festigt sich immer mehr der Eindruck, dass aus Stuttgart die Devise „Einfach nix machen!“ erkennbar wird. Wenn man sich die Alterspyramide unserer Belegschaft betrachtet, dann kann man vermuten, wie BOSCH die Frage nach dem Zukunftskonzept für unsere saarländischen Standorte beantworten will. Anscheinend ist es BOSCH lieber durch Personalanpassungsmaßnahmen in den Abbau von Arbeitsplätzen zu „investieren“ anstatt auf unsere Stärken am Standort zu vertrauen und für Zukunftsgeschäft und Arbeitsplätze im Saarland zu sorgen.

WAS HEIßT DAS ÜBERSETZT FÜR DIE KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN IN DER BELEGSCHAFT?

Im schlimmsten Fall: Job weg! Da spielt auch die Zugehörigkeit zur Firma, Loyalität, Qualifikation, keine Rolle mehr. Das sieht man bei der Bombe der BESG, die die Werkleitung hat platzen lassen: ein nagelneues Werk, mit Subventionen gebaut, Spezialisten rekrutiert und zwei Jahre gearbeitet – dann merkt man plötzlich, dass es eigentlich keinen zukunftsfähigen Markt für die Produkte gibt! Mal ehrlich: So kann man doch kein Geschäft leiten! Da muss es doch neben einer wirtschaftlichen Kompetenz auch ein gewisses soziales Bewusstsein geben. Die BOSCH-Entscheider haben eine Verantwortung gegenüber den 195 Familien, denen sie gerade ihre Einkommen weggenommen haben. Und das, obwohl sie vor zwei Jahren noch vollmundig den Erfolg versprochen hatten. Viele unserer Neunkircher Kolleginnen und Kollegen sorgen sich gerade, wie sie zukünftig ihre Hypotheken und die Ausbildung ihrer Kinder bezahlen sollen. Von den Kleinunternehmen, der Handwerksbranche und den Menschen in der Region ganz zu schweigen. Dagegen sind meine Einschlafprobleme gar nichts!

ABER DER GESCHÄFTSBEREICH DIESEL LIEGT DOCH TATSÄCHLICH AM BODEN!

Ja und nein. Natürlich geht durch die Medien das Gespenst des Diesel-Endes. Der Volkswagenkonzern wie auch andere haben damit natürlich zu kämpfen. Aber eher im Bereich des Ansehens, weniger bei Stückzahlen. Die Kolleginnen und Kollegen anderer Zulieferer im Dieselsegment berichten von gleichbleibenden Abrufzahlen, sogar leicht ansteigend. Hält man das dagegen, passt da etwas nicht zusammen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass BOSCH selbst immer noch keine weltweite Dieselstrategie hat. Wir gewinnen mehr und mehr den Eindruck, dass der Dieselskandal als Argument vorgeschoben wird, fundamental die Werksstrukturen zu hinterfragen. Und dass BOSCH seit Jahrzehnten Geld verdient, ist dann auch keine Garantie mehr, nicht abgewickelt zu werden.

BOSCH IM SAARLAND WAR IMMER EINE ERFOLGSGESCHICHTE. WARUM SOLLTE DIE GESCHÄFTSFÜHRUNG EIN SOLCHES ERFOLGSTEAM ABWICKELN WOLLEN?

Das kann Dir nur BOSCH selbst beantworten. Ich sehe eine überdurchschnittliche Qualifikation bei unseren Kolleginnen und Kollegen. Wir BOSCHler sind hochgelobt und preisgekrönt, stehen für Qualität und bieten seriöse Kostenstrukturen an – alles Argumente, uns zu stärken. Aber wenn dann CRI 2.16 verschwindet, sind mal eben 450 Arbeitsplätze weg – ein Zehntel der Gesamtbelegschaft bei HoP1. Gehen wir dann noch von einer sehr, sehr moderaten Produktivitätssteigerung von 10 Prozent während der nächsten drei Jahre aus, werden es nochmals 460 Kolleginnen und Kollegen weniger. Addiert man dann noch den Wegfall der 200 Arbeitsplätze von BESG und die BoRex-Zahlen von um die 210 dazu, ergibt das ein Minus von etwa 1.320 Arbeitsplätzen.

MALST DU DAS NICHT ETWAS SCHWARZ?

Ich hoffe es! Aber wenn wir uns die Entwicklungen besonders bei HoP1 in den letzten zehn Jahren anschauen, dann lässt sich eine stetige Entwicklung erkennen. Was glaubst Du, was aus einem Industriestandort wie dem Saarland wird, wenn sich ein Unternehmen wie BOSCH mehr und mehr als Arbeitgeber zurückzieht? Dann ist der wirtschaftliche Kollaps einer ganzen Region nur eine logische Konsequenz. Beispiele dafür gibt es leider genug.

WIE STEHST DU ZUR GESCHÄFTSPOLITIK DER BOSCH-VERANTWORTLICHEN?

Ich habe die jetzige, wie auch die vorherige, Werkleitung von HoP1 als aufrichtige und engagierte Gesprächspartner kennengelernt. Daher gehe ich davon aus, dass wir alle Maßnahmen, die es in den nächsten Monaten zu vereinbaren gilt, in einem Kompromiss auf Augenhöhe finden werden. Die Werkleitung muss ihre Interessen verfolgen, die natürlich andere sind als die von 4.500 Beschäftigten, aber nach meiner Ansicht ist das Interesse der Belegschaft an sicheren und fairen Arbeitsplätzen höher zu bewerten, als der unternehmerische Erfolg Einzelner in Stuttgart. Tatsache ist, dass wir in den letzten Jahrzehnten Geld im Saarland verdient und dann mit freundlichen Grüßen nach Baden-Württemberg geschickt haben. Natürlich wünsche ich mir mehr Offenheit und weniger Salamitaktik im Gespräch miteinander. Aber da greife ich meine Vermutung von eben nochmal auf: Ich fürchte, es gibt einfach kein Zukunftskonzept. Daher kann man nicht wirklich was Konstruktives in den bisherigen Gesprächen finden.

WO SIEHST DU DIE STÄRKEN UNSERER STANDORTE FÜR DIE ZUKUNFT?

Ich werde mich nicht festlegen auf „wir im Saarland wollen diese oder jene drei Produkte herstellen“ und dann die Arme verschränken. Dass das nicht funktioniert, hat nicht erst BESG gezeigt. Wir haben aber in der Vergangenheit jedes Mal aufs Neue gezeigt: Wenn wir nur gelassen wurden, haben wir noch alles gefertigt bekommen. Sei es im Aufbau und Hochlauf von der Hubschieberfertigung, des Common Rails, der CRIN 4.2, der CPN5-Fertigung oder erst vor kurzem beim CRI2.20. Jedes Mal haben wir aufs Neue in kürzester Zeit aus dem Stand heraus Anläufe und Fertigungsniveaus realisiert, für welche wir mit Anerkennung aus Stuttgart und dem Rest der Welt überschüttet wurden. Auch Liefertreue und Qualitätsstandards waren stets vorbildlich, was ja nicht nur unsere vollen Vitrinen mit den Auszeichnungen beweisen. Jetzt zu sagen, dass das nicht mehr zukunftsfähig genug wäre, ist ein Schlag ins Gesicht tausender Kolleginnen und Kollegen hier im Saarland, die das alles geleistet haben. Das dann auch heute und morgen noch zu leisten – bei gleichbleibender Qualität, Menge und Zuverlässigkeit – ist unsere größte Stärke!

WAS WIRD NOTWENDIG FÜR DEN ERHALT UNSERER JOBS?

Geschlossenheit. Und Zusammenhalt. Wir, die IG Metall Betriebsräte im HoP1, HoP2 und der BESG, sind uns sicher, dass Perspektiven für die saarländischen BOSCH-Standorte nur gemeinsam zu verwirklichen sind und haben daher die immer schon traditionell enge Bande zwischen den Werken noch fester geschnürt. Unser Motto „BOSCH BLEIBT. Zusammen. Für alle. Für uns.“ kommt nicht von ungefähr. Wir brauchen Geschlossenheit, Solidarität und Zusammenhalt, aber auch kritisches Feedback und die Bereitschaft zum Anpacken. BOSCHler zu sein hatte immer schon was mit Stolz zu tun – und das müssen wir wieder ins Gedächtnis rufen, wenn wir die Menschen bewegen wollen. Wir sind ein Leuchtturm für die gesamte Region. Wir merken jeden Tag in Gesprächen und bei unseren Infoaktionen, dass die Menschen in Neunkirchen und Homburg hinter uns stehen und uns unterstützen. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Jetzt muss die Region ihre Stimme erheben, damit man sie bis nach Stuttgart hören kann.

WAS HAT ES MIT DEN SUPERHELDEN EURES AKTIONSTAGES AUF SICH? IST DAS NICHT ETWAS ZU KITSCHIG FÜR SO EINE ERNSTE ANGELEGENHEIT?

Superhelden sind ja deshalb Superhelden, weil sie erstens eine Superkraft besitzen und diese dann zweitens auch einsetzen, um ihre Werte und Ziele zu verteidigen. Wir fanden die Idee sehr treffend, denn unsere Superkraft ist es, solidarisch zusammen zu stehen und allem zu trotzen, was da auf uns zukommt. Man kann sich über den Stil wundern, aber nicht über die Botschaft: Zusammen. Für alle. Für uns!

AM 31.8. FINDET EUER AKTIONSTAG „BOSCH BLEIBT“ STATT. WAS ERWARTEST DU?

Eine klare Botschaft: Wir sind BOSCH Saarland. Und wir wollen es bleiben. Deshalb kann ich nur jede Kollegin und jeden Kollegen, jeden Anwohner, jeden Handwerker, jeden Dienstleister, jeden Lokalpolitiker, jeden Homburger, jeden Saarländer und jeden Pfälzer aufrufen:

KOMMT HIN, MACHT MIT:
ES GEHT UM ALLES!

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